Hommage an den Herbst – Ein Flirt mit dem Scheitern

Über zwei Jahre nach meinem schweren Verkehrsunfall am Monte Grappa kann ich hier und heute sagen, dass ich den langen und sehr beschwerlichen Weg zurück zu meiner Topform erfolgreich beschritten habe. Bereits beim Glocknerman Ende Mai und beim Alpi4000 Mitte Juli dieses Jahres habe ich gemerkt, dass der Knoten langsam aufgeht, dass mein Körper die Trainingsreize wieder versteht und weiß, was ich von ihm will.

Jetzt im Herbst lief es einfach nur so – wie ein warmes Messer durch Butter! Eine 300 km Tour zum Großglockner, kein Thema! Die Woche drauf einen 24 h Big Loop mit Jaufenpass, Stilfser Joch, Passo di Gavia, Passo del Tonale und Mendelpass, kein Thema! Die Woche drauf eine lässige Trainingsfahrt mit dem Johannes durch die Dolomiten, 10 Pässe in Reihe, kein Thema! Die Woche drauf zu den UCI Road World Championships nach Innsbruck, das Inntal runter und wieder rauf, kein Thema! Dazwischen noch zahlreiche Fahrten in meiner Nachbarschaft. Den Fokus dabei immer auf möglichst viele Höhenmeter. Für die Traunsteiner Locals unter Euch: alleine den Hochberg (eine Rampe mit 200 Höhenmetern auf 2 km pro Auffahrt) habe ich in jede Trainingsfahrt zu Beginn und zum Ende eingebaut. In Summe sind das über 40 Auffahrten in 5 Wochen, kein Thema! Das Sahnehäubchen letzte Woche: der Monte Zoncolan im Birthday Loop, knapp 250 km mit 5.700 Höhenmetern in den südlichen Karnischen Alpen – eine der härtesten Rennradregionen im gesamten Alpenraum, kein Thema!

Für alle Zahlenfanatiker (Strava): 3.500 km mit 50.000 Höhenmetern stehen auf dem Konto. Der Herbst 2018 wird mir wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben!

Mir geht es hier nicht um Selbstdarstellung. Früher sagte man immer: „Das Geld liegt auf der Straße!“. Heute sage ich: „Die Chancen liegen auf der Straße! Ihr müsst sie nur nutzen! Hast Du ein Ziel – dann kämpfe dafür!“

Im Vergleich zur Vergangenheit kommt in der heutigen Zeit noch eine weitere Konstante in der Erfolgsformel dazu.

„Eine Konstante, die uns oftmals in unserem Handeln lähmt: das Scheitern!“

Das Scheitern ist in unserer Gesellschaft noch so derart negativ besetzt, dass wir oftmals auf Träume oder Visionen verzichten und lieber im sicheren Hafen die Segel setzen. Doch warum? In meinen Augen gibt es keinen besseren Zeitpunkt zur Selbstverwirklichung als genau jetzt. Das Scheitern sitzt dabei immer auf dem Beifahrersitz – als Freund.

Bei meinen Projekten ist die Chance des Scheiterns oftmals höher als die Chance des Erfolgs. Ich weiß manchmal selber nicht, wie die Sache letztendlich eigentlich ausgeht. Ein Beispiel:

The Big Loop – Italian Edition

Big Loop Italian Edition Velographic

Erfolgreich beendet. Doch was ist alles schiefgelaufen: Mein Equipment war unvollständig. Oben am Stilfser Joch habe ich gemerkt, die Powerbank hatte ich dabei, doch es fehlten sämtliche Ladekabel für iPhone und Beleuchtung. Was machst du jetzt? Aufgeben? Umdrehen? Scheitern? Ich brauchte unbedingt Strom für das iPhone, damit ich im Notfall noch einen Notruf mit Positionsdaten absetzen konnte. Umdrehen kam für mich nicht infrage, also runter nach Bormio und eine Pizzeria gesucht, wo ich meine Batterien mit leckeren italienischen Köstlichkeiten wieder auffüllen konnte und wo es ein Ladekabel samt Steckdose für mein iPhone gab. Das kann abends unter der Woche gegen 22:00 Uhr auch schon mal eine Herausforderung werden.

Die eigentliche Prüfung wartete jedoch noch auf mich. Gegen 2:00 Uhr in der früh leerte sich der Akku meiner Frontleuchte. Eigentlich kein Problem, ich hatte ja den Ersatz-Akku dabei. Also Akku getauscht und Lampe wieder angemacht. Status des getauschten Akkus: ROT BLINKEND! Heißt: LEER (maximal noch 30 Minuten Licht)! Der hat sich dann wohl durch die Kälte am Passo di Gavia entladen. Was machst du jetzt? 2:00 Uhr in der früh und zwei leere Akkus für die Frontleuchte. Bis zum Sonnenaufgang waren es noch mindestens 5 Stunden. Außentemperatur um die 8 Grad, keine Wechselklamotten dabei. Das schließt schonmal ein Pausieren bis zum Morgengrauen aus – mit den durchgeschwitzten Sachen wäre das die sichere Unterkühlung. Aufladen auch ausgeschlossen – die Powerbank war zwar da, doch das Ladekabel fehlte. Wie also weiter? Noch knapp 150 km zurück nach Sterzing zum Auto. Eine Situation, in der eine Aufgabe nix bringt. Eine Situation, in der du nur an dir selbst scheitern kannst! Jetzt war Mut, Entschlossenheit und vor allem Erfindungsreichtum gefragt. Außerhalb der Ortschaften habe ich die Lampe angemacht, in den Ortschaften habe ich die Lampe sofort wieder ausgemacht. Das brachte mich schon mal ein wenig weiter. Doch da gab es ein längeres Stück ohne Ortschaften: von Cles über den Mendelpass nach Bozen. 7 km hoch und 11 km durch Serpentinen wieder runter. In Bozen folgten noch Abschnitte, wo ich die Frontlampe in jedem Falle brauchte. Also was tun? Wie spare ich den kläglichen Rest der Akku-Energie?

„Die Lösung so einfach wie verrückt: Ich habe meine Rückleuchte als Frontlicht genommen.“

Im roten Dämmerschein ging es den Mendelpass rauf und durch die Serpentinen wieder runter. Gefährlich, riskant, aber machbar! Letztendlich waren beide Akkus nach Bozen komplett auf null – pünktlich zum Morgengrauen!

Wenn Du etwas riskierst, kannst Du gewinnen oder verlieren! Segelst Du außerhalb des sicheren Hafens, kannst Du gewinnen oder verlieren. Segelst Du unter Sturm, kannst Du nur Gewinnen – Courage, Erfahrung und Selbstbewusstsein! #dontstoppushing #nolimits

 

Der perfekte Herbst 2018 – Impressionen

 

Sport & Outdoor Go West I Grüezi-Bag I Mamma Bavaria I RADsyndikat

#projectxtreme #nolimitscoaching

 

 

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