Garda-Cross

Gardasee-Umrundung mit Trail-Einlage

Was soll ich sagen? Nun, der Garda-Cross hat wirklich alles geboten, was ich mir so vorgestellt hatte: Sommer, Sonne und verdammt viel Spaß! Aber jetzt der Reihe nach:

Nach einer 4-wöchigen Radfahrpause hat sich bei mir eine formschöne Fettrolle im Bereich von Bauch und Hüfte breit gemacht. Das war für mich das definitive Signal, meinen Hintern wieder auf den Sattel zu schwingen. Jetzt fragen sich sicherlich einige: Warum eine solch lange Pause? Ganz einfach: meine Akkus waren leer. Das habe ich bei den HIIT-Einheiten deutlich gespürt. Es gab solche erheblichen Leistungsschwankungen, dass ich einfach mal längere Zeit aussetzen musste. Das Training hat einfach keinen Sinn mehr gemacht. Ich konnte keine Reize mehr setzen.

Neben der Fettrolle habt aber auch Ihr mir geholfen, wieder in die Gänge zu kommen. Die ganzen Beiträge über Eure Projekte für die #Festive500 haben mich echt beeindruckt und motiviert. Voll krass!

Also schnell eine Tour auf komoot zusammengebastelt: Rennrad, Mountainbike, Trail-Running – alles egal! Ich habe ja meinen Crosser! Datei exportiert und fertig. Dann noch einen Buchweizenkuchen als Proviant selbst gebacken und den Rest mittlerweile schon routinemäßig gepackt und ins Auto geladen.

Der Wecker klingelte 5:00 Uhr in der früh. Aufstehen, Zähne putzen, anziehen und irgendwie ins Auto torkeln. Dort weiterschlafen? So halb! Die Tempo 100 in Österreich lassen dich ja sanft im Halbschlaf nach Italien rüber schaukeln. Pünktlich zum Sonnenaufgang bin ich nach Torbole reingefahren. Schnell einen Parkplatz gesucht, umgezogen und ab auf das Bike.

Das Wetter war einfach der Wahnsinn. Blauer Himmel, kein Lüftchen und von den Temperaturen wirklich angenehm. Im Schatten hat man schon noch die Kälte der Nacht gespürt. In der Sonne jedoch war es einfach traumhaft. So gingen sie dahin, die ersten Kilometer nach langer Pause: Torbole, Tempesa, Navene, Cassone, Malcesine, Assenza. Immer schön der Route auf dem Navi nachgefahren.

Auf einmal ging es links weg in eine verdammt schmale Straße. Und verdammt steil war die auch noch. Es ging vorbei an Hinterhöfen, kläffenden Kötern und weiter steil bergauf. Teer wurde zu Kopfsteinpflaster. Kopfsteinpflaster wurde zu Geröll. Und es ging weiter steil bergauf, bis ich schließlich neben einer Mülltonne und einem großen Komposthaufen wieder auf eine Hauptstraße kam – Albisano war erreicht! Ein vorbeifahrender Radfahrer schaute mindestens genauso dumm wie ich aus der Wäsche, als er mich sah – als „Vollprofi“ hab ich mir aber nix anmerken lassen. Das war alles so geplant! Oder verplant?! Egal, den Weichei-Anstieg von Garda aus kann ja jeder.

Ab jetzt wusste ich, diese Umrundung wird wohl keine klassische Tour: Bis nach Salo ging die Strecke immer mal wieder rechts oder links weg. Hinein in die Einsamkeit, hinein in die sanften Hügel, hinein in eine schon fast vergessene Welt mit Ruinen, Burgen und kleinen schlossartigen Anwesen. Es war echt unbeschreiblich schön. Ich sag es immer wieder: In der Nebensaison ist Italien eines der schönsten Flecken auf der Erde! Da muss man nicht in den Flieger steigen und sinnlos Geld ausgeben. Das Paradies beginnt schon jenseits des Brenners.

Als Verpflegung für Zwischendurch gab es immer mal wieder einen Cappuccino mit Croissant oder einer anderen süßen italienischen Leckerei. La Dolce Vita!

Nach Salo ging es weiter Richtung Idro. Irgendwie über eine kleine Passstraße: Vobarno, Fustegnano, Eno, Vico. Hier in dem engen Tal war es schon deutlich kühler. Und Schnee lag dort auch ordentlich. Die Straße zwar frei, aber die Umgebung war teilweise weiß. Von Idro ging es dann auf der rechten Seeseite weiter nach Vesta.

Jetzt fragen sich die Gardasee-Kenner sicherlich: Hä, in Vesta ist doch Schluss. Da geht es nicht weiter. Doch geht es: über einen Trail. Und DAS war auch so geplant. Es war jedoch auch geplant, den Trail bei Tageslicht zu befahren. Und nicht wie jetzt im Stockdunkel. Doch Dunkelheit hat auch seine Vorteile: man sieht den tiefen Abgrund nicht. Man macht sich einfach weniger Gedanken, wenn man den Crosser auf der linken Schulter trägt, und sich mit der rechten Hand an einem Fix-Seil am Fels entlang hangelt. Ab und zu tritt man mal einen größeren Stein los, der dann in die Tiefe stürzt – 400 Höhenmeter hört man schon recht lange. Das waren insgesamt ca. 5 km mit fast ausschließlich tragen oder schieben. Durch die Dunkelheit war ein fahren nich möglich – schade, aber egal. Das hat echt tierisch Bock gemacht!

Weiter ging es nach Storo und dann hoch zum Passo d’Ámpola. Hier hatte ich dann echt Hunger auf eine Pizza. Also rein ins Albergo Ampola und rein mitten in eine Karaoke-Party. Es lief Helene Fischer mit „Atemlos durch die Nacht“. Ich sollte dann auch noch irgendwie was zum Besten geben, habe denen aber klar gemacht, dass ich besser Radfahren kann als singen. Eigentlich war dieser Moment der schönste der ganzen Tour. Die Herzlichkeit, die man mir hier entgegenbrachte, berührt mich immer noch. Man muss sich das mal aus deren Blickwinkel vorstellen: Da kommt ein deutscher Rad-Tourist Nachts um 22:00 Uhr mit Warnweste begleitet ins Restaurant und fragt nach einer Pizza und Eistee. Statt den Heini wieder rauszuwerfen, schenkt man ihm ein Platz am Ofen, bringt ihm eine Pizza, einen Eistee und noch einen Espresso. Danach läd man ihn noch mit auf die Karaoke-Party ein. Leute, wenn man was fürs Leben lernen kann, dann hier!

Frisch gestärkt ging es noch hoch nach Tremalzo (ca. 1.750 m). Schön wars, dunkel wars. Also ab zurück über Riva nach Torbole. Schnell noch umziehen und dann ab in den Schlafsack. Gute Nacht.

Sport & Outdoor Go West I Grüezi-Bag I Mamma Bavaria I RADsyndikat

#projectxtreme #nolimitscoaching

4 Kommentare

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Danke für diesen tollen Bericht!!🔝👍🏻Starke Leistung und dann noch an meinem Lieblingsort dem Gardasee💪🏻💪🏻💪🏻

Sehr nett geschrieben, macht ja echt Lust auf eine Tour….. allerdings sträuben sich meine fast siebzigjährigen Bandscheiben dagegen und murmeln was von Unvernunft und so…. so bleibt es für dich ein tolles Soloerlebnis. 😊

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