Eine ganz normale Trainingswoche Teil I

Die letzte Woche war mal ganz nach meinem Geschmack. Sieben Tage Radel fahren und natürlich Büroarbeit nebenher. Ein intensiver Trainingsblock war geplant und er ist es schließlich auch geworden.

Montag und Dienstag sollten noch einmal die Umfänge dominieren. Diesmal jedoch schon mit mehr Zug. Da ich die Strecke um den Gardasee jetzt schon ziemlich genau kenne, habe ich mir an den passenden Stellen schöne Intervalle eingeplant. Doch planen kann man viel … man muß es halt auch immer noch umsetzen.

Der Montag lief wie jeder Montag – am Anfang etwas zäh. Ich hatte am Wochenende zuvor ziemlich viel Stress im Büro, was sich auch auf den Kopf niedergeschlagen hatte. Da wollten die Beine auch nicht gleich an die 100 %. Aber bei einem 200 km Tagespensum hat man ja Zeit, reinzukommen. Bis Kilometer 160 lief alles nach Plan. Danach wurden die Beine merklich schwerer bis sehr schwer. Nun, ganz erklären konnte ich mir das ganze nicht. Es war ja nicht die erste Gardasee-Umrundung. Und von der Ernährung her passte auch alles. Nur die Oberschenkel brannten immer mehr. Besonders bei den letzten 15 Kilometern vor Salò geht es immer wieder mit kurzen Rampen rauf und runter, wie am Ende eines Frühjahrsklassikers. Da hatte ich merklich Mühe und bekam ernste Selbstzweifel. Ich musste am vorderen Kettenblatt sogar runterschalten (Normalweise erlaube ich mir immer den Witz: „Den Gardasee kannst du auch mit einem Fixie umrunden!“).

Ich war echt froh, wieder am Tor meiner FeWo angekommen zu sein. Die letzten 20 Meter zu meiner Terrasse habe ich dann wie immer geschoben. Da habe ich gemerkt, dass das Rad auch schwer zu schieben war. Wie jetzt? Auch keine Kraft mehr in den Armen? Was ein Scheiß Tag und Start in die Woche!

Ich wollte meinen desolaten körperlichen Zustand jedoch nicht so hinnehmen und habe mir mal das Rad genauer angeschaut. Erstmal die Gängigkeit der Laufräder überprüft. Hinten: alles in Ordnung. Vorne: sofort blockiert! Aha … !!!

Ich habe mein Tarmac vor der Winterpause nicht mehr großartig gewartet. Ich wusste, dass die Bremsbeläge schon ziemlich abgefahren waren. Aber es ging ja noch. Ja, es ging noch … bis … ja bis circa Kilometer 160. Da waren die vorderen Bremsbeläge komplett am Ende und die Bremse hat noch einmal zugemacht aber nicht mehr aufgemacht. Ich bin also 40 Kilometer mit einer blockierten Vorderbremse gefahren. Warum ich das nicht bemerkt habe? Nun, mit Musik im Ohr hört man das Schleifen nicht unbedingt. Außerdem war ich mehr von meiner desaströsen Form überzeugt, als von einem technischen Defekt. Und die gestiegenen Wattwerte habe ich aus Blutmangel im Gehirn nicht mehr wirklich wahrgenommen.

Es lag also nicht an mir! Zufrieden bin ich ins Bett!

Der Dienstag – das gleiche Spiel. Umfänge! Alles wie gehabt, alles nach Plan. Ab Torbole hatte ich diesmal bis Garda ordentlich Gegenwind. Das wusste ich jedoch bereits in Riva! Warum? Ganz einfach: Hier meine erste, immer gültige, Lago-Regel:

„Stinkt es in Riva nicht nach Fisch und Algen, hast Du von Torbole nach Garda den Gegenwind auszuhalten!!!“

Normans Lago-Rule #1

Circa 10 Kilometer vor Garda habe ich ein italienisches Amateur-Rennrad-Team ohne Probleme überholen können. War aber auch kein Wunder, die haben eine kollektive Pinkelpause am Straßenrand gemacht. Kurz drauf haben die mich natürlich wieder ohne Probleme überholt. Beim Überholen ist es immer das Gleiche. Egal ob Amateur- oder Pro-Team: Immer möglichst verdammt eng einen Aussätzigen überholen. Das ist, glaube ich, DAS Thema in der allerersten Theoriestunde.

Durch den Gegenwind kamen die aber auch nicht wirklich weg. Zudem ist direkt hinter der Gruppe das Team-Fahrzeug gefahren und hat dabei den Verkehr ein wenig aufgehalten. So konnte ich mich in der entstandenen Wagenkolonne wieder langsam nach vorne arbeiten. Schlussendlich hat mich das Team-Fahrzeug wieder ganz an die Gruppe ran gefahren und rechts zu Gruppe aufschließen lassen. Die ganze Aktion war schon ganz geil! Besonders der Move mit dem Team-Fahrzeug. Jeder wusste, was man wollte, ganz ohne Kommunikation – echt lässig.

In der Gruppe ging es dann mit ca. 40 km/h so dahin. Die Amateure mit Ihren Top-Rennrädern und ich mit Crosser und Rucksack (Tarmac und Bremse …).

Das lief bei denen alles schon ganz flüssig, geht aber noch besser. Im letzten Jahr durfte ich in Livigno mit ein paar Astana-Jungs (Pro-Team) fahren. Das war echt Mega! Da waren 250 Watt angesagt und da wurden auch konstant 250 Watt getreten – wie ein Shinkansen.

Den Anstieg kurz vor Garda bin ich noch gut mitgekommen. Aber oben auf der Kuppe haben die derart das Tempo hochgehalten, das ich hab abreißen lassen müssen. Ich hatte noch den Anstieg nach Prada vor mir, mit einer 15 % Rampe gleich zu Beginn. Da brauchte die Abfahrt nach Garda rein einfach als kurze Erholung. Das waren 5 Minuten und dann ging es auch schon in Garda wie immer links weg und steil hoch nach Prada.

Der Anstieg lief echt perfekt! Obwohl ich den schweren Montag bereits in den Beinen hatte und obwohl ich einige Spitzen bereits durch die Gruppenfahrt getreten bin. Das war eine neue Bestzeit!

Dieses „Gefühl“ sollte mir die Woche noch öfter begegnen. Und ich glaube, es gibt dafür einen ganz einfachen Grund: Ich habe im Vergleich zu 2018 noch einmal einen erheblichen Sprung in meiner Leistung gemacht. Das heißt auch, ich habe mir eine neue Komfortzone und eine neue Stresszone erarbeitet. Und für die neue Stresszone fehlt mir noch das Vertrauen in meinen Körper!

Mittwoch – Ruhetag – YEAHH! Einfach mal kurz aus dem Bett und für einen Espresso hoch nach Tignale und wieder zurück. Das war das erste Mal seit 3 Wochen, das ich mir wirklich nur die Sonne hab auf den Pelz brennen lassen.

Donnerstag war eine lockere Einheit um den Lago geplant. Den „Giro Classico“ ohne zusätzliche Höhenmeter. Lief alles nach Plan, ohne besonderen Vorkommnisse.

Sport & Outdoor Go West I Grüezi-Bag I Mamma Bavaria I RADsyndikat

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